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Bayern: Arbeitskräftebedarf soll langfristig wieder zunehmen

Bis 2029 fehlen 220.000 Beschäftigte / Wertschöpfungsverluste von 25 Milliarden Euro 

In ganz Bayern fehlen aktuell 140.000 Arbeitskräfte. Das sind 40.000 weniger als noch vor einem Jahr prognostiziert. Bis 2029 dürfte die Lücke angesichts der langfristigen demografischen Entwicklung jedoch wieder deutlich auf 220.000 steigen, ein Plus von 57 Prozent. Der so ausgelöste jährliche Wertschöpfungsverlust würde dann 25 Milliarden Euro erreichen. Dies geht aus dem neuen IHK-Arbeitsmarktradar Bayern hervor, den das IW Köln im Auftrag des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) erstellt hat. 

Die Lücke an Arbeitskräften ergibt sich aus der Zahl der offenen Stellen abzüglich passend qualifizierter Arbeitsloser in Bayern. Bereits jetzt gibt es für rund die Hälfte aller offenen Stellen keine passend qualifizierten Bewerber. Der von den Unternehmen wahrgenommene Arbeitskräftemangel dürfte aber noch höher sein, weil es selbst bei passender Qualifikation in vielen Fällen noch andere Vermittlungshürden gibt. Obwohl die Studie eine fortgesetzt hohe Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland sowie eine steigende Erwerbsbeteiligung der heimischen Bevölkerung voraussetzt, verschärfen vor allem die vielen Renteneintritte den Personalmangel bis 2029. 

„Der Arbeitskräftemangel bleibt für die Gesamtwirtschaft ein Dauerthema. Auch wenn die Strukturkrise aktuell in vielen Branchen zu Stellenabbau führt, gibt es zahlreiche Betriebe, die unter fehlendem Personal leiden und Anpassungen vornehmen müssen. Konkret sprechen wir von mehr Schließtagen in der Gastronomie, langen Wartezeiten bei qualifizierten Handwerkern und Werkstätten, beim Arzt und im Krankenhaus. Dazu kommen erhebliche Betreuungslücken für Kinder und Senioren. Der jährliche volkswirtschaftliche Verlust durch die ausfallende Wertschöpfung beträgt in Bayern schon jetzt rund 16 Milliarden Euro”, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. 

„Die Wirtschaft ist auf bessere Instrumente zur Förderung von Beschäftigung angewiesen. Dazu gehören mehr Anreize zur Arbeitsaufnahme und Qualifizierungen für Erwerbslose sowie eine höhere Erwerbsbeteiligung von Älteren und Frauen, etwa durch lohnsteuerliche Anreize und eine Anpassung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung“, fordert der BIHK-Chef. Gößl weist zugleich darauf hin, dass die Zuwanderung eine immer größere Rolle für den Beschäftigungsaufbau in Bayern spielt. Wenn die Zuwanderung von Arbeitskräften das Niveau der letzten Jahre hält, wird der Anteil von Ausländern an den Beschäftigten im Freistaat bis 2029 auf 22,5 Prozent steigen. 2018 lag diese Quote erst bei 14,7 Prozent. 

Die meisten Beschäftigten fehlen laut Studie auf dem Qualifikationsniveau „Fachkraft“, dabei handelt es sich beispielsweise um Absolventen einer beruflichen Ausbildung. Hier dürfte die Lücke 2029 rund 130.000 Personen betragen. Auf dem Qualifikationsniveau „Spezialist“, das sind zum Beispiel Meister, Fachwirte und Bachelor-Absolventen, gibt es 2029 voraussichtlich 36.000 Arbeitskräfte zu wenig. Auf dem Niveau „Experte“ mit akademischen Abschlüssen wie Master oder Staatsexamen fehlen 41.000 Arbeitskräfte. Auch bei Helfern gibt es eine Lücke von 13.000 Arbeitskräften. 

Bei den Berufsgruppen wird es laut der IW-Prognose in Bayern bis 2029 die größte Arbeitskräftelücke bei Fachkräften im Verkauf geben, gefolgt von Spezialisten in der Kinderbetreuung, Fachkräften in der Lagerwirtschaft und in der Bauelektrik sowie Helfern im Bereich Post- und Zustelldienste. Bis 2029 erwarten die Forschenden den größten Beschäftigungsaufbau in IT-Berufen, im Gesundheitswesen und in der öffentlichen Verwaltung, darunter auch Verteidigung und Sozialversicherung. 

Wie sehr die langfristige Bevölkerungsentwicklung Bayerns Arbeitspotenzial und damit die Wirtschaft bedroht, zeigt die Prognose bis 2039: Ohne zusätzliche Potenziale würde sich gegenüber 2024 rein demografisch ein drastischer Rückgang der Beschäftigten um rund 600.000 oder minus 11 Prozent auf nur noch 5,1 Millionen ergeben. Die Folge wäre eine deutliche Schwächung der bayerischen Wirtschaft. Demgegenüber könnte die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bayern bis 2039 um rund 180.000 oder plus 3,2 Prozent auf 5,9 Millionen steigen, wenn sich die positiven Beschäftigungstrends bei Frauen, Älteren und durch Zuwanderung wie in den letzten Jahren fortsetzen. 

Der IHK-Arbeitsmarktradar Bayern ist unter arbeitsmarktradar.bihk.de als Bericht und als Online-Tool verfügbar. Auch eigene Auswertungen für alle Berufe, Branchen und Regionen in Bayern können dort erstellt werden.

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