Wirtschaft ächzt immer mehr unter Fachkräftemangel

Engpass verursacht im Freistaat volkswirtschaftlichen Verlust von 23 Milliarden Euro

 

München (12.06.2018) – In Bayern nimmt die Fachkräftelücke in der Wirtschaft weiter zu. Trotz des aktuellen Beschäftigungsrekords fehlen 260.000 Fachkräfte. Damit ist die Fachkräftelücke binnen Jahresfrist noch einmal um 15 Prozent gewachsen. Durch den Engpass bleiben rund fünf Prozent aller im Freistaat angebotenen Arbeitsplätze für Fachkräfte unbesetzt, so die jüngste Auswertung des IHK-Fachkräftemonitors Bayern. Gesucht werden in erster Linie beruflich qualifizierte Mitarbeiter. Ganz oben auf der Wunschliste der Betriebe stehen etwa Industriekaufleute, Bürokaufleute, Fertigungsmechaniker und IT-Experten.

 

„Der Fachkräftemangel bremst die bayerische Wirtschaft massiv. Betriebe müssen Aufträge verschieben oder ablehnen, weil die Kapazitäten nicht vorhanden sind. So entgeht Bayern allein in diesem Jahr eine Wirtschaftsleistung von schätzungsweise 23 Milliarden Euro“, sagt Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). „Der Fachkräftemangel ist aktuell das größte Problem der bayerischen Wirtschaft. 64 Prozent der Betriebe – so viele wie noch nie – sehen die zunehmenden Personalengpässe als Risiko für ihr Geschäft“, so Driessen weiter.

 

Für die Zukunft gibt es laut Prognosemodell kein Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil wird sich bis 2030 die Lücke auf 542.000 Fachkräfte erhöhen. Bis dahin steigen die jährlichen Bruttowertschöpfungsverluste auf 50,8 Milliarden Euro. Dies wären 8,6 Prozent der gesamten bayerischen Wirtschaftsleistung. Durch die demografische Entwicklung wird auch das Durchschnittsalter der Belegschaften deutlich zulegen: von derzeit 43,7 Jahren auf 48,6 Jahre im Jahr 2030.

 

„Angesichts der Bedrohung der Wirtschaftskraft Bayern muss die Bekämpfung des Fachkräftemangels oberste Priorität haben – in den Unternehmen, aber auch in der Politik. Wir müssen den Fachkräftemangel gemeinsam möglichst schnell zurückdrängen und sicherstellen, dass die alarmierenden Prognosen bis 2030 erst gar nicht eintreten“, sagt der BIHK-Chef. Driessen fordert vor allem mehr Frauen als Fach- und Führungskräfte, um den Personalengpass in der Wirtschaft zu lindern. „Dieses Potenzial wird jedoch begrenzt, weil die Kinderbetreuungsmöglichkeiten unzureichend sind und das Steuer- und Sozialsystem nur magere Anreize für Arbeitszeitverlängerungen setzt“, kritisiert Driessen.

 

Gleichzeitig beklagt die Wirtschaft, dass die Politik mit der „Rente mit 63“ die Weichen langfristig auf geringere Beschäftigungsquoten älterer Arbeitnehmer gestellt hat. Auch mit dem geplanten Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit werde der Fachkräftemangel weiter befeuert. Driessen bekräftigt, dass die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland für die Wirtschaft ein wichtiger Teil der Problemlösung bleibe. Der Stellenaufbau in Bayern werde bereits jetzt zur Hälfte von ausländischen Fachkräften getragen. „Der Anteil der Beschäftigten ohne deutschen Pass im Freistaat ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen, von 9,3 auf 13,5 Prozent“, sagt der BIHK-Chef. Deswegen stünde außer Frage, dass Bayern und Deutschland ein neues Zuwanderungsgesetz brauchen, wenn der Standort langfristig seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit behalten wolle.

 

Informationen zum IHK-Fachkräftemonitor Bayern
Der IHK-Fachkräftemonitor Bayern ist ein Online-Instrument, das die bayerischen IHKs 2011 gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR GmbH entwi-ckelt haben. Er zeigt, wie sich die Fachkräftesituation im Freistaat darstellt und prognostiziert die Entwicklung bis zum Jahr 2030. Das Instrument wird jährlich aktualisiert und weiterentwickelt. Der Fachkräftemonitor ist über www.ihk-fachkraeftemonitor-bayern.de oder über www.bihk.de abrufbar.

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