Bayerische Wirtschaft setzt Höhenflug fort

BIHK-Konjunkturindex weiter nah an Rekordmarke / Stimmungshoch hält seit acht Jahren an

 

München (16.05.2018) – Der Konjunkturmotor in Bayern läuft weiter auf Hochtouren, auch wenn er das Rekordniveau vom Jahresbeginn nicht mehr ganz erreicht. Der BIHK-Konjunkturindex hat mit 135 Punkten seit Jahresbeginn nur einen Zähler eingebüßt. Seit nunmehr acht Jahren liegt der Indikator über seinem langfristigen Durchschnitt – das ist das längste Stimmungshoch seit Beginn der Konjunkturumfrage im Jahr 1993. Die Unternehmen blicken auch weiterhin optimistisch in die Zukunft. Sie wollen investieren und Personal einstellen. Dies geht aus der heute in München vorgestellten Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) unter rund 3.800 Betrieben im Freistaat hervor.

 

„Die aktuelle Stimmung ist weiter hervorragend: 57 Prozent der Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Lage zufrieden“, sagte Peter Kammerer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern. „Mit einem Saldo von 52 Punkten erreicht die Geschäftslage den zweithöchsten Wert seit 1993“, so Kammerer. Die Unternehmen gehen weiterhin davon aus, dass sich der konjunkturelle Höhenflug in den kommenden zwölf Monaten fortsetzt. Der Saldo der Erwartungen liegt auf dem gleichen Niveau wie zu Jahresbeginn: 27 Prozent der Betriebe rechnen mit mehr Geschäft. Nur ein kleiner Teil der Betriebe (7 Prozent) befürchtet eine Eintrübung. Angesichts der sehr guten Ausgangslage sei dies ein starkes Signal für einen anhaltenden Boom, sagte Kammerer, der auch Bereichsleiter Volkswirtschaft bei der IHK ist.

 

Da die Kapazitäten weiterhin gut ausgelastet sind, möchte jedes dritte Unternehmen mehr investieren, jedes zweite behält sein bisheriges Investitionsvolumen bei. Auch beim Personal möchten die Betriebe weiter aufstocken: Mehr als jeder fünfte will zusätzliche Arbeitsplätze einrichten, nur neun Prozent wollen Stellen streichen. Damit steht der bayerischen Wirtschaft ein ähnlich starker Beschäftigungsaufbau bevor wie im Vorjahr, sofern die Betriebe weiter Mitarbeiter finden. Denn der Fachkräftemangel bleibt die Achillesferse der bayerischen Wirtschaft: 64 Prozent der Unternehmen – so viele wie noch nie zuvor – sehen im Fachkräftemangel ein Geschäftsrisiko. Anfang 2017 sagten dies erst 50 Prozent.

 

Unverändert kritisch sieht die Wirtschaft die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Rund vier von zehn Betrieben sehen sie als Risiko an. Die von den Unternehmen genannten Punkte reichen von zunehmender Bürokratie, schleppenden Planungs- und Genehmigungsverfahren, hohen Steuern und Abgaben bis hin zu Sorgen über die handelspolitischen Auswirkungen des Brexit oder des weltweit zunehmenden Protektionismus. Auch die EU-Datenschutzgrundverordnung verunsichert die Unternehmen aktuell stark. „Die regen Investitionen und steigende Beschäftigung heben dazu ein neues Thema auf das Risikotableau. Erweiterungen der Betriebe scheitern oftmals daran, dass Flächen fehlen oder ihre Nutzung eingeschränkt ist, beispielsweise durch strenge Lärmschutzauflagen. Rund ein Drittel der Unternehmen, die ihren Standort erweitern wollen, klagen über Probleme, geeignete Flächen dafür zu finden“, beklagte Kammerer.

 

Der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer betonte, dass die achtjährige wirtschaftliche Erfolgswelle im Freistaat kein Selbstläufer sei. „Damit Bayern erfolgreich bleibt, müssen Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel ganz oben auf der politischen Agenda stehen“, so Kammerer. Das Fachkräftepotenzial könne am besten durch eine Bildungspolitik erhöht werden, die durch optimale Förderung ab Kindesalter alle Potenziale voll ausschöpft sowie die berufliche Bildung stärkt und als gleichberechtigte Säule neben der akademischen Bildung anerkennt. Kurzfristig müsse die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren weiter erhöht und parallel dazu der Zuzug von ausländischen Fachkräften vereinfacht werden.

 

Kammerer kritisierte die arbeits- und steuerrechtlichen Pläne der Bundesregierung: „Das Recht auf befristete Teilzeit für alle Beschäftigten führt gesamtwirtschaftlich zu einer Reduzierung des angebotenen Arbeitsvolumens und ist damit in Zeiten des Fachkräftemangels das falsche Signal.“ Um Beschäftigten Anreize für mehr Arbeit zu geben, wäre es wesentlich sinnvoller, in Zeiten sprudelnder Steuerquellen die Einkommensteuer zu senken und den Solidaritätszuschlag vollständig abzubauen.

 

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