Erneut weniger Auszubildende in Bayerns Betrieben

Sasse: „Bewerberlücke wird jedes Jahr größer“ / Wirtschaft wirbt um jeden Schulabgänger

 

München – Die bayerischen Betriebe haben 2016 erneut weniger Azubis eingestellt: Mit 53.180 neu abgeschlossenen Lehrverträgen in Industrie, Handel und Dienstleistungen ergibt sich ein Minus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so die jüngsten Zahlen des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). Damit setzt sich ein langjähriger Trend fort. 2008 hatten noch knapp 60.000 Jugendliche in Bayern eine Ausbildung im Zuständigkeitsbereich der IHKs begonnen.

 

„Jedes Jahr wird es schwieriger für die Betriebe, ihren Fachkräftenachwuchs zu finden. Die Bewerberlücke wächst und wächst“, sagt BIHK-Präsident Eberhard Sasse. In allen Ausbildungsbereichen – dazu gehören neben Industrie und Handel auch das Handwerk und freie Berufe – blieben in Bayern im vergangenen Jahr laut Arbeitsagentur-Statistik über 12.000 angebotene Lehrstellen unbesetzt. Das ist ein Zuwachs von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig wurden im gesamten Freistaat nur rund 1.100 unversorgte Schulabgänger verzeichnet. „Vor allem kleine und mittlere Unternehmen werben intensiv um jeden Schulabgänger und investieren so viel wie noch nie in die Ausbildung. Aufgrund der guten Konjunktur und des absehbaren Fachkräftemangels bieten sie reichlich Lehrstellen an, sie bekommen aber immer weniger Bewerbungen“, so Sasse weiter. Als Hauptgründe nennt der BIHK-Präsident die schwindenden Schulabgängerzahlen von Mittel- und Realschulen sowie den Trend zu weiterführenden Schulen und zum Studium. Sasse fordert als Gegenmittel mehr bildungspolitischen Realitätssinn: „Eine Ausbildung ist für viele Schulabgänger eine bessere Wahl als ein abgebrochenes Studium.“

 

Mehr als 31.000 bayerische Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen sind nach der letzten BIHK-Zählung aktive Ausbildungsbetriebe. Sie stehen für 57 Prozent der Ausbildungsverhältnisse im Freistaat. Wegen des Bewerbermangels haben sich seit 2008 per Saldo 3.500 Unternehmen aus der Ausbildung verabschiedet.

DIHK AHK

Schnellkontakt Zentrale für Internetanfragen Telefon: 089 / 5116 - 1150