Bayerische Wirtschaft hofft auf ein Ende der Talfahrt
Die bayerische Wirtschaft hat in den vergangenen Monaten einen wahren Absturz erlebt. Die Auftragsbücher sind nahezu leer und die Produktionskapazitäten liegen brach. Insbesondere die Industrieunternehmen mit hohem Auslandsanteil haben enorme Einbußen.
Doch die Unternehmen hoffen auf ein Ende der rasanten Talfahrt. So sind die Erwartungen weniger skeptisch als zu Jahresbeginn. Auf dem bayerischen Arbeitsmarkt ist die Situation zwar angespannt, aber noch robuster als befürchtet. Dies ergab die Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) unter rund 3.200 Unternehmen. „Die Erwartungen könnten ein Indiz dafür sein, dass die Abwärtsdynamik nachlässt und wir in den kommenden Wochen eine Bodenbildung erleben“, sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen.
Der BIHK-Index, der Lage und Erwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammenfasst, ist nach seinem historischen Absturz auf 82 Punkte zu Jahresbeginn, aktuell lediglich um weitere 2 Punkte auf jetzt 80 Punkte gefallen. Seit Einführung des Index im Herbst 1993 lag dieser Wert nur im Januar 2003 mit damals 79 Punkten noch niedriger.„Auch wenn der Absturz gebremst scheint“, warnt Driessen, „ist ein Aufschwung noch nicht in Sicht.“
Die aktuelle Geschäftslage ist am Boden. So ist der Saldo von –2 zu Jahresanfang auf
–20 Punkte abgesackt. Beurteilte im Januar noch ein Viertel der bayerischen Unternehmen die Lage als schlecht, sind es im Frühsommer 37 %. Demgegenüber sind die Aussichten nicht mehr ganz so trübe. Ein gutes Drittel der Firmen, nach 42 % im Januar, bleibt pessimistisch. Die Zahl der Optimisten stieg von 11 auf 15 %.
Die weltweite Auftragsflaute hat in der bayerischen Industrie tiefe Spuren hinterlassen. Bei jeweils rund drei Viertel der Unternehmen sind die Aufträge aus dem In- und Ausland eingebrochen. Vor allem die Investitionsgüter- und die Vorleistungsgüterproduzenten haben leere Auftragsbücher. Doch die Unternehmen erwarten, dass Binnen- wie Exportnachfrage nicht weiter in den Keller rauschen. War zu Jahresbeginn noch jedes zweite Unternehmen skeptisch, so sind es jetzt nur noch 37 %. Gleichzeitig haben sich die Optimisten von 7 auf 15 % verdoppelt. Doch treten die Unternehmen weiterhin auf die Investitionsbremse.
Der Absturz hat inzwischen nahezu alle Branchen erfasst. Im Großhandel haben Umsatzeinbrüche insbesondere im Ausland dazu geführt, dass der Saldo der Geschäftslage von +2 auf jetzt –15 Punkte gefallen ist. Mehr als die Hälfte der Unternehmen befürchtet, dass die Umsatzkurve auch künftig nach unten zeigt. Beim bayerischen Einzelhandel hat sich seit Jahresbeginn nichts verändert. Weiterhin nur 12 % (12 %) der Betriebe glauben an einen Aufwärtstrend, 37 % bleiben skeptisch. Sie befürchten, dass die Arbeitslosigkeit steigt und damit die Konsumlaune sinkt. Selbst die Dienstleister wurden vom Abwärtsstrudel erfasst und die Geschäftslage hat sich spürbar verschlechtert. Bei über 50 % der Unternehmen sind vor allem die Auslandsumsätze zurückgegangen. Im Januar berichteten das nur 22 %.
Entgegen den allgemeinen Erwartungen ist der Arbeitsmarkt in Bayern noch nicht dramatisch eingebrochen. Immer noch zwei Drittel halten an ihren Mitarbeitern fest, 6 % davon wollen sogar neue einstellen. Aber mehr als ein Drittel kalkuliert mit Entlassungen - größere Unternehmen eher als kleinere Betriebe. Die Unternehmen nutzen derzeit jede Möglichkeit, über Kurzarbeit oder andere Maßnahmen möglichst viel Stammpersonal zu halten. „Mit Sicherheit wird es jedoch nicht gelingen, alle Arbeitsplätze zu erhalten“, so Driessen.