Bayerische Wirtschaft weiter auf Wachstumskurs

München, 11.06.2007 (BIHK)  Der Aufschwung in der bayerischen Wirtschaft hält unvermindert an. Die Unternehmen fast aller Branchen sind auf weiteres Wachstum eingestellt. Insbesondere das Inlandsgeschäft hat in den vergangenen Monaten kräftig angezogen. Die Investitionslust ist nochmals gestiegen und die Beschäftigungspläne sind positiver als zu Jahresbeginn. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) unter gut 3.000 bayerischen Unternehmen. „Damit hat sich die Binnennachfrage neben den kräftigen Auslandsumsätzen zu einer zweiten konjunkturellen Stütze entwickelt“, sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler.

 

Der BIHK-Index, der Lage und Erwartungen der bayerischen Betriebe in einem Wert zusammenfasst, hat den historischen Höchststand vom Februar 2007 nochmals leicht übertroffen und ist auf aktuell 129 Punkte geklettert. Obwohl die Mehrwertsteuererhöhung deutliche Umsatzeinbrüche in der Bauwirtschaft und im Handel verursacht hat, sieht die Wirtschaft ihre derzeitige Situation fast ebenso gut wie noch zu Jahresanfang. Für die kommenden Monate überwiegt der Optimismus. Mit einer weiterhin positiven Geschäftsentwicklung rechnen jetzt 31 %, nach 29 % zu Jahresbeginn. Nur noch 6 % sind pessimistisch. Die Hoffnungen der Wirtschaft ruhen dabei zunehmend auf dem Inlandsgeschäft. Dagegen haben sich in den vergangenen Monaten die hohen Erwartungen an den Export nicht ganz erfüllt, so dass die Unternehmen ihre Pläne leicht nach unten revidiert haben.

 

Die bayerischen Industrieunternehmen beurteilen die aktuelle Geschäftslage zum sechsten Mal in Folge besser, obwohl die Auslandsaufträge seit Jahresbeginn zurückgegangen sind. „Dazu beigetragen haben die leichte Abkühlung der Weltwirtschaft, das gesunkene Wachstum der US-Wirtschaft sowie der starke Euro, der die Exporte in das außereuropäische Ausland spürbar verteuert hat“, so Dörfler. Aufgrund dieser Rahmenbedingungen hat die Industrie ihre Exporterwartungen nach unten korrigiert. Doch im Inlandsgeschäft steigt der Optimismus weiter an: 34 % (Jahresbeginn 32 %) der Industrieunternehmen rechnen damit, dass die Binnennachfrage anzieht, nur 8 % (12 %) befürchten abnehmende Auftragsvolumen.

 

In der Bauwirtschaft haben die Mehrwertsteuererhöhung sowie die Abschaffung der Eigenheimzulage deutliche Spuren hinterlassen. Der Anteil der Unternehmen mit positiver Auftragsentwicklung ist von 49 % auf 27 % erheblich zurückgegangen, die negativen Meldungen haben sich dagegen von 11 % auf 26 % mehr als verdoppelt. Insgesamt glaubt die Baubranche nicht daran, dass sich die Situation in den kommenden Monaten wesentlich verbessert.

 

Auch die Zuversicht der Großhändler zu Jahresanfang hat etwas nachgelassen, da die Umsätze im In- und Ausland geringer ausgefallen sind als erwartet. Die Branche hofft jedoch darauf, künftig von der anziehenden Binnenkonjunktur zu profitieren. Über die Hälfte der Unternehmen geht davon aus, dass die Inlandsumsätze nach oben gehen.

 

Die Mehrwertsteuererhöhung hat auch im Einzelhandel zu spürbaren Umsatzeinbußen geführt. Doch trotz der steuerbedingten Zusatzlasten und einem Dämpfer im 1. Quartal 2007 sind die Händler für die nächsten Monate etwas optimistischer. Sie hoffen, dass ein anhaltender Konjunkturaufschwung und ein besserer Arbeitsmarkt endlich die Konsumbereitschaft der Verbraucher steigert. Jeder vierte Händler rechnet damit, dass es aufwärts geht, der Anteil der Pessimisten hat sich von 17 % auf 9 % fast halbiert.

 

Die bayerischen Dienstleister sind so zufrieden wie selten zuvor und davon überzeugt, dass der Boom anhält. Nur noch ganze 2 % bewerten ihre Geschäftssituation als schlecht. Vor allem im Inlandsgeschäft erwarten sie höhere Umsätze. Dagegen herrscht auch bei den Dienstleistern leichte Skepsis im Exportgeschäft: Nur noch 38 % (46 %) kalkulieren mit steigenden Umsätzen.

 

Die optimistischen Erwartungen für die Binnennachfrage haben die Investitionsabsichten der bayerischen Wirtschaft weiter beflügelt. Vor allem die Industrie will jetzt weniger rationalisieren, sondern wieder vermehrt Kapazitäten erweitern. Die gestiegenen Investitionen der bayerischen Wirtschaft haben bereits in den vergangenen Monaten zu mehr Jobs geführt. Jetzt ist die Einstellungsbereitschaft nochmals gestiegen: Jedes vierte Unternehmen will inzwischen Personal aufstocken. „Damit zeigt die Wirtschaft deutlich, dass sie weiter an einen Aufschwung glaubt“, betonte BIHK-Chef Dörfler. Auch der Arbeitsmarkt werde in 2007 weiter anziehen. Allerdings, so Dörfler, habe der derzeitige Boom nichts mit der Politik zu tun und weder die jetzige Regierung unter Kanzlerin Merkel noch ihr Vorgänger Schröder dürften sich diesen Aufschwung ans Revers heften. Vielmehr habe die Wirtschaft ganz alleine dafür gesorgt: die Unternehmer durch ihre Investitionen und die Mitarbeiter samt Gewerkschaften durch Lohnzurückhaltung in den vergangenen Jahren.

DIHK AHK

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