Bayerische Wirtschaft bleibt in Fahrt

Unternehmen wollen mehr investieren und Mitarbeiter einstellen

Die bayerische Wirtschaft startet voller Optimismus in das neue Jahr und erwartet für 2007 einen stabilen Aufschwung. Die Befürchtungen vom Herbst vergangenen Jahres, dass sowohl die Binnen- als auch die Auslandsnachfrage einbrechen könnten, sind damit verflogen. In fast allen Branchen hat vor allem das Inlandsgeschäft nochmals kräftig zugelegt. Die Zuversicht der Unternehmen schlägt sich jetzt auch in den Investitions- und Beschäftigungsplänen nieder, die zum Teil deutlich angehoben wurden. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) unter rund 3.000 Unternehmen. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Wirtschaft im letzten Quartal 2006 ausreichend Fahrt aufgenommen hat, um wirtschaftspolitische Belastungen, wie etwa die Mehrwertsteuererhöhung, weitgehend unbeschadet zu verkraften“, sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler.

Der BIHK-Index, der Geschäftslage und Erwartungen der bayerischen Unternehmen in einem Wert zusammenfasst, hat den höchsten Stand seit Einführung des Index vor 14 Jahren erreicht. Nicht nur die Beurteilung der aktuellen Lage markiert einen neuen historischen Höchststand, 45 % bezeichnen ihre Situation als gut, sondern auch die Erwartungen haben wieder ins Positive gedreht, nachdem sie im Jahresverlauf 2006 noch sukzessive nach unten gerutscht waren.

Die bayerischen Industrieunternehmen beurteilen die aktuelle Geschäftslage bereits zum fünften Mal in Folge besser. Grund dafür ist vor allem die höhere Inlandsnachfrage, die endlich Anschluss an das gut laufende Exportgeschäft gefunden hat. So berichten jeweils 52 % der Unternehmen von gestiegenen Inlands- bzw. Auslandsaufträgen.

Die sorgenvollen Erwartungen vieler Bauunternehmen im Herbst 2006 haben sich bestätigt. Ihre aktuelle Geschäftssituation hat sich entgegen allen anderen Branchen deutlich verschlechtert. Vor allem die Aufträge im Wohnungsbau sind zurückgegangen. „Das war allerdings – nach den starken Zuwächsen im vergangenen Jahr bedingt durch die letzten Ausläufer der Eigenheimzulage und die Vorzieheffekte der Mehrwertsteuererhöhung – fast zu erwarten“, so Dörfler. Dennoch hoffen die Unternehmen, dass auch ihre Branche noch vom Aufschwung profitieren wird. Sie bauen auf die immer noch günstigen Zinskonditionen bei der Baufinanzierung und die Belebung auf dem Arbeitsmarkt.

Die Befürchtungen des Großhandels, die höhere Mehrwertsteuer könnte Inlands- wie Auslandsumsätze belasten, haben sich nicht bestätigt. Beide Umsatzbereiche haben nochmals spürbar zugelegt. Die Mehrheit der Großhändler, 55 %, bewertet deshalb die derzeitige Geschäftslage positiv. Auch für die kommenden Monate sind sie zuversichtlicher als noch im Herbst.

Der bayerische Einzelhandel ist mit kräftigem Rückenwind aus dem 4. Quartal 2006 in das neue Jahr gestartet. Bei immerhin 44 % sind die Umsätze gestiegen, dass es noch weiter nach oben geht, glauben aber nach wie vor nur 24 %. „Eine verlässliche Prognose darüber, wie sich die Mehrwertsteuererhöhung tatsächlich auf den Einzelhandel auswirkt, ist erst in den kommenden Monaten möglich“, betont Dörfler. Bislang konnten die Unternehmen mit Rabattaktionen die Kauflust der Verbraucher stabilisieren. Ob diese Kauflust aber nach dem Winterschlussverkauf noch anhalte, so Dörfler, sei ungewiss.

Die Dienstleistungsbranche ist wieder im Aufwind und die Erwartungen sind klar nach oben gerichtet. Gut die Hälfte der Unternehmen ist mit der aktuellen Situation zufrieden. Dass es auch weiterhin gut läuft glauben immerhin noch 40 % (37 %). Vor allem steigende Umsatzerwartungen heben die Laune bei den Dienstleistern.

Dank der positiven Aussichten will die bayerische Wirtschaft ihre Investitionen leicht ausweiten. Vor allem die Industrie investiert wieder stärker in den Ausbau der Kapazitäten. „Damit bekräftigt die Wirtschaft ihre optimistischen Konjunkturerwartungen auch für einen mittelfristigen Planungshorizont“, sagte der BIHK-Chef. Erstmals seit sieben Jahren wollen per Saldo wieder deutlich mehr Unternehmen Personal einstellen als entlassen.

Trotz der erfreulichen Entwicklung warnt Dörfler vor zu großer Euphorie. Denn noch immer hinke die deutsche Wirtschaft international hinterher. „Derzeit jubelt jeder über ein Wirtschaftswachstum von 2,5 % in Deutschland, aber damit liegen wir immer noch deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 3,2 %“, so Dörfler. Zwar laufe die Wirtschaft derzeit auf Hochtouren, doch daran habe die Regierungskoalition keinen großen Anteil. Vielmehr hätten die Unternehmen in den zurückliegenden Jahren ihre Hausaufgaben gemacht: Jetzt sei die Politik gefordert: “Ganz oben auf der politischen Agenda muss die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes stehen“, so Dörfler.

DIHK AHK

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