Bayerische Wirtschaft auf Abwärtskurs
Arbeitsmarkt bricht 2009 ein
Die bayerische Wirtschaft kann sich dem weltweiten Abwärtstrend nicht länger entziehen. Die Unternehmen haben ihre Erwartungen so deutlich nach unten geschraubt, wie seit Langem nicht mehr. Nahezu jede Branche hat die Investitionspläne zusammengestrichen und der Arbeitsmarkt steht vor dem Einbruch. Doch nicht alle Unternehmen trifft die Krise im gleichen Ausmaß. Während die Industrie mit einem regelrechten Absturz rechnet, sind die Dienstleister derzeit noch vergleichsweise zufrieden. Dies ergab die Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) unter rund 3.200 Unternehmen. „Wie lange diese Talfahrt anhält und wie rasant sie verläuft, kann derzeit niemand seriös sagen“, sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen vor der Presse.
Der BIHK-Index, der Lage und Erwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammenfasst, ist seit Oktober 2008 von 106 auf aktuell 82 Punkte abgestürzt. Seit Einführung des Index im Herbst 1993 lag dieser Wert nur im Januar 2003 mit damals 79 Punkten noch niedriger. „Neu für uns ist die Geschwindigkeit des Abwärtstrends, die wir in dieser Form noch nicht beobachtet haben“, so Driessen.
Die schwache Entwicklung im vierten Quartal 2008 hat die Geschäftssituation verschärft. Lag der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen im Herbst noch bei +17 Punkten, ist er aktuell auf -2 Punkte abgesackt. Doch vor allem die enttäuschenden Aussichten auf die kommenden Monate haben den Index nach unten gedrückt. Der Anteil der Optimisten ging von 16 % im Herbst 2008 auf aktuell nur noch 11 % zurück. Der Anteil der Skeptiker, an vorderster Front die Industrieunternehmen, hat sich von 20 auf 42 % mehr als verdoppelt.
Bis zum Herbst 2008 konnte das florierende Auslandsgeschäft die schwache Binnennachfrage in der bayerischen Industrie ausgleichen. Dieses Bild hat sich jetzt grundlegend gewandelt. Mehr als die Hälfte der bayerischen Industrieunternehmen befürchtet rückläufige Orders aus dem In- und Ausland. Die weltweite Auftragsflaute hat dazu geführt, dass die Unternehmen Zukunftspläne auf Eis legen. „Man sieht deutlich, dass die Unternehmen nur noch auf Sicht fahren und das senkt die Investitionslaune und die Einstellungsbereitschaft deutlich“, stellt der BIHK-Chef fest.
Besonders negativ sind die Meldungen aus der Fahrzeugindustrie. Alle Branchen, die mit dem Bereich Automotive verbunden sind, erwarten in den kommenden Monaten deutliche Umsatzrückgänge. Ähnlich schlecht läuft es im Bauhauptgewerbe. Die Aussichten im Wirtschaftsbau haben sich massiv verschlechtert, nur im öffentlichen Bau gibt es einen Funken Hoffnung. Die Großhändler sehen die derzeitige Lage per saldo noch leicht positiv, doch eine wachsende Anzahl der Händler befürchtet Umsatzeinbrüche im In- und Ausland. Ähnlich skeptisch ist der Einzelhandel, wo inzwischen dreimal so viele Unternehmen mit weiteren Umsatzrückgängen als mit einem Plus kalkulieren.
Die mit Abstand beste Lage herrscht noch bei den Dienstleistern. Zwar sind die Geschäftserwartungen auch überwiegend pessimistisch. „Aber im Vergleich zu den Steilabfahrten in der Industrie sprechen wir hier von einem sanften Sinkflug“, so Driessen. Ob sich die Dienstleister weiterhin so gut im Abschwung behaupten könnten, werde sich in den nächsten Monaten zeigen.
Insgesamt aber sehen die bayerischen Unternehmen weniger Bedarf für Investitionen und Arbeitskräfte. Mehr Unternehmen wollen bei den Investitionen kürzen als ausweiten. Vor allem bei den Erweiterungsplänen wurde gestrichen. Damit geht auch die Zeit des Jobwachstums in Bayern zu Ende. Zwar ist der Arbeitsmarkt gerade in Bayern derzeit noch robust und fast zwei Drittel der Befragten wollen ihre Mitarbeiter halten. Aber jedes dritte Unternehmen rechnet in 2009 mit einem Rückgang der Belegschaft. Die Beschäftigungspläne kleinerer Unternehmen sind dabei weniger pessimistisch als die von großen Unternehmen. Es sei, so Driessen, heute noch nicht genau abzuschätzen, in welchem Ausmaß Arbeitsplätze tatsächlich verloren gingen. „Die Unternehmen nutzen momentan alle Möglichkeiten, um Entlassungen zu verhindern, mit dem Ziel, die Stammbeschäftigten zu halten“, sagt der BIHK-Chef.