Unsicherheit nimmt zu
Bayerische Wirtschaft aber noch immer im Aufschwung
Noch hält der Aufschwung in Bayern an und der überwiegende Teil der Unternehmen ist für die kommenden zwölf Monate optimistisch. Doch die Unsicherheit in der Wirtschaft nimmt zu und die Wachstumsraten sinken. Damit lassen auch die Investitionsabsichten und Beschäftigungspläne leicht nach. Dabei driften die Erwartungen der einzelnen Branchen deutlich auseinander. Vor allem die konsumnahen Wirtschaftsbereiche, wie zum Beispiel der Einzelhandel oder die Ge- und Verbrauchsgüterindustrie, sind skeptisch. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) unter mehr als 3.000 Unternehmen. „Das legt den Schluss nahe“, so BIHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler, „dass der private Konsum auch in diesem Jahr nicht auf die Beine kommt“.
Der BIHK-Index, der Lage und Erwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammenfasst, ist seit seinem historischen Höchststand von 129 Punkten im Sommer 2007 über 123 Punkte im Herbst vergangenen Jahres nochmals leicht auf derzeit 121 Punkte gesunken. Hier schlägt die etwas schlechtere Bewertung der aktuellen Lage durch.
Immer noch 40 % der Unternehmen, zwei Prozent weniger als im Herbst 2007, geht es gut. Weniger zufrieden sind nur 12 %. Insgesamt beurteilen alle Branchen die Lage verhaltener als im Herbst. Für die kommenden Monate bleibt die bayerische Wirtschaft immer noch zuversichtlich. Wie im Herbst 2007 rechnet ein Viertel der befragten Unternehmen damit, dass es weiter aufwärts geht. Unverändert 10 % sind skeptisch.
Insgesamt sind immer noch 47 % der Industrieunternehmen (52 % im Herbst 2007) mit ihrer aktuellen Geschäftssituation zufrieden, auch wenn sie seit Jahresbeginn 2007 mit sinkenden Auftragsvolumina sowohl aus dem Inland wie dem Ausland kämpfen. Besonders betroffen ist die konsumnahe Ge- und Verbrauchsgüterindustrie, die vor allem im Inlandsgeschäft auch künftig deutliche Einschnitte befürchtet.
In der Bauwirtschaft sind die Aufträge im vergangenen halben Jahr stark gesunken, so dass erstmals seit zwei Jahren wieder die Pessimisten die Oberhand gewonnen haben. Insbesondere im privaten Wohnungsbau laufen die Geschäfte schlecht. Dies spiegeln auch die seit über einem Jahr rückläufigen Kreditzinsen für private Baufinanzierungen wider. Für die nächsten Monate setzen die Bauerunternehmer vor allem darauf, dass der Wirtschaftsbau weiter anzieht. Ein Viertel der Unternehmen, nach 18 % im Herbst, hofft auf mehr Aufträge, nur noch 15 % (22 %) befürchten einen Abwärtstrend.
Auch wenn die Umsätze im Inlandsgeschäft weiter geschrumpft sind, haben stabile Exportgeschäfte die Laune der bayerischen Großhändler wieder leicht verbessert. Diese Stimmung dürfte weiter anhalten, denn die Unternehmen rechnen mit unverändert guten Umsätzen aus dem Auslandsgeschäft.
Dagegen kämpft der Einzelhandel noch immer mit einem Abwärtstrend. Nachdem sich die Hoffnungen vom Sommer 2007 auf steigende Kauflust der Verbraucher, bereits im Herbst zerschlagen hatten, hat sich die Situation noch weiter verschlechtert. Über 40 % (37 %) der befragten Unternehmen hatten in den vergangenen Monaten Umsatzeinbußen, nur 27 % konnten ihre Verkaufszahlen steigern. Die Einzelhändler sehen auch künftig keinen Lichtblick. Sie befürchten vor allem, auf den steigenden Kosten, die anziehende Lieferanten- und Großhandelspreise verursachen, sitzen zu bleiben.
Die bayerischen Dienstleister befinden sich dagegen weiter im Stimmungshoch. Mit weiterhin knapp 50 % zufriedener Unternehmer hat sich die Branche auf hohem Niveau stabilisiert. Gerade einmal 5 % sind unzufrieden. Ihre Geschäftserwartungen haben die Dienstleister nur leicht nach unten korrigiert. Die etwas gestiegene Unzufriedenheit der Branche ist auf die pessimistischeren Ertragsaussichten zurückzuführen.
Die uneinheitlichen Wachstumsaussichten drosseln das Investitionstempo der Unternehmen. So hat sich die Investitionsbereitschaft der bayerischen Wirtschaft per Saldo gegenüber Herbst 2007 halbiert. „Zum einen ist die Verunsicherung der Unternehmen erkennbar gestiegen und zum anderen wirken sich jetzt die Vorzieheffekte aus, weil die degressive Abschreibung ab 2008 entfällt“, so BIHK-Chef Dörfler. Auch die Einstellungsbereitschaft der Wirtschaft hat unter den gestiegenen konjunkturellen Unsicherheiten leicht gelitten. Per Saldo wollen in Bayern immer noch mehr Unternehmen Mitarbeiter einstellen als entlassen. „Die Arbeitslosigkeit im Freistaat wird daher auch in diesem Jahr zurückgehen“, ist Dörfler überzeugt. Allerdings dürfte die Anzahl der neu geschaffenen Jobs sinken.
Die weitere konjunkturelle Entwicklung in Bayern wird nach Einschätzung des BIHK-Chefs vor allem von zwei Faktoren abhängen. Weiterhin bestehende Risiken auf den internationalen Finanzmärkten könnten die Probleme im Bankensektor erhöhen und die Kreditkosten in die Höhe treiben. Zweitens werde eine Rezession der US-Wirtschaft immer wahrscheinlicher. „Die bayerische Wirtschaft konnte die Abhängigkeit vom amerikanischen Markt zwar durch neue Absatzgebiete reduzieren, doch klassische Exportbranchen, wie etwa die Automobilindustrie, werden sich dem Sog einbrechender Wachstumszahlen in den USA nicht vollständig entziehen können“, befürchtet Dörfler. Damit könnte der Export immer weniger die Rolle einer Konjunkturlokomotive übernehmen.