Der Wirtschaft gehen die Fachkräfte aus
Unternehmen bilden verstärkt aus
In den kommenden vier Jahren werden der bayerischen Wirtschaft durchschnittlich rund 180.000 Fachkräfte pro Jahr fehlen. Das entspricht 4 Prozent des gesamten Fachkräftebedarfs. Über 50 Prozent der Engpässe wird es in den Berufen mit technischer Ausrichtung geben. Insbesondere Stellen für Ingenieure, aber auch Meister und Fachwirte werden offen bleiben. Über das Jahr 2016 hinaus wird das Problem sogar noch zunehmen. Bis 2025 wird die jährliche Fachkräftelücke auf 240.000 steigen und damit 6 Prozent der gesamten Nachfrage betragen. Das ergab die Auswertung der aktualisierten Daten des IHK-Fachkräftemonitors Bayern. „Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern wird branchenübergreifend eine der größten Herausforderungen für die bayerischen Unternehmen bleiben“, sagt Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, BIHK.
Die branchenspezifische Analyse zeigt, dass vor allem bei den beratenden und unternehmensnahen Dienstleistungen in Bayern sowohl absolut als auch relativ im Verhältnis zur Fachkräftenachfrage die größten Engpässe entstehen.
Hochqualifizierte Mitarbeiter werden immer schwieriger zu finden sein. Bis 2016 werden im Jahresschnitt 27.000 Akademiker fehlen und 116.000 Meister, Fach- und Betriebswirte. Danach wird aufgrund der zunehmenden Hochschulabschlüsse der Akademikermangel leicht zurückgehen, die Lücke bei den Meistern und Fachwirten wird dagegen größer.
Auch bei den technischen Ausbildungsberufen werden die Unternehmen bis 2016 Schwierigkeiten haben, die offenen Stellen besetzen zu können. Bis zum Jahr 2025 wird sich der Arbeitsmarkt wieder entspannen. Bei den kaufmännischen Berufen, so das aktuelle Ergebnis des Monitors, verläuft die Entwicklung genau entgegengesetzt. In den kommenden Jahren noch ausreichend vorhanden, wird das Fachkräfteangebot mit dieser Qualifikation bis 2025 um 14 Prozent zurückgehen. „Damit werden allein im Jahr 2025 voraussichtlich 120.000 kaufmännische Fachkräfte mit einer dualen Ausbildung fehlen“, sagt der BIHK-Chef.
Weder Politik noch Wirtschaft könnten die Augen vor der Entwicklung verschließen. „Die meisten Unternehmen“, so Driessen, „reagieren bereits. So haben sie im vergangenen Jahr 5,5 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als 2010.“ Jetzt laute die Devise, bei der Aus- und Weiterbildung nicht nachzulassen, mit familiengerechter Personalpolitik Frauen im Unternehmen zu halten und für altersgerechte Arbeitsplätze zu sorgen. Die Politik dagegen müsse ihre Anstrengungen, die Schulabbrecherquote zu senken, noch verstärken.
Vor einem Jahr haben die bayerischen IHKs den Fachkräftemonitor Bayern gestartet. Er zeigt Angebot und Nachfrage von Fachkräften in Bayern bis 2025 in einzelnen Regionen und Branchen, wertet die Arbeitsmarktsituation einzelner Berufe oder Qualifikationsstufen aus und zeigt die zehn Berufe mit dem höchsten Fachkräftemangel oder -überschuss. Der IHK-Fachkräftemonitor wird jährlich aktualisiert und basiert auf öffentlich zugänglichen Statistiken und den Ergebnissen der regelmäßigen Konjunkturumfragen der bayerischen IHKs. Das kostenlose Online-Tool ist unter www.ihk-fachkraeftemonitor-bayern.de abrufbar.