Fachkräftemangel in Bayern nimmt zu
IHKs fordern schnellere Öffnung des Arbeitsmarktes
Die Konjunktur boomt, doch die Unternehmen haben es schwer, Fachkräfte zu finden. Nach einer aktuellen Umfrage der bayerischen IHKs unter knapp 3.000 Betrieben können derzeit 24 Prozent der Unternehmen ihre offenen Stellen nicht besetzen. Insbesondere in der Industrie und bei den Dienstleistern klagen rund 30 Prozent über fehlende Fachkräfte. „Dieser zunehmende Mangel an qualifizierten Mitarbeitern könnte den Aufschwung in den kommenden Monaten bremsen“, befürchtet Reinhard Dörfler, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, BIHK. Nach ersten Schätzungen anhand der Umfrageergebnisse könnten damit in Bayern derzeit etwa 25.000 Stellen nicht besetzt werden.
Der Fachkräftemangel steigt mit der Unternehmensgröße. Während kleinere Betriebe mit bis zu 20 Mitarbeitern weniger davon betroffen sind, klagen über 35 Prozent der Betriebe mit mehr als 100 Mitarbeitern über fehlende Fachkräfte. In Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern und mehr steigt dieser Anteil sogar auf 45 Prozent. Besonders ausgeprägt ist der Mangel, so die Umfrageergebnisse, in den IHK-Bezirken Oberbayern und Passau. „Insbesondere für Führungsaufgaben und im Forschungs- und Entwicklungsbereich suchen die Unternehmen Mitarbeiter mit Hochschulabschluss, während in der Produktion vor allem Spezialisten mit beruflicher Ausbildung gefragt sind“, sagt Dörfler.
Diejenigen Unternehmen, die Stellen derzeit nicht besetzen können, geben zu 80 Prozent fehlende oder unpassende Qualifikation der Bewerber als Hauptursache an. Bei über der Hälfte der Unternehmer melden sich erst gar keine Bewerber und bei gut einem Drittel der Befragten scheitert eine erfolgreiche Stellenbesetzung an den Gehaltsforderungen.
Um das Problem wenigsten zu lindern, setzen über 50 Prozent der Unternehmen auf Überstunden und verstärkte Ausbildung, immer noch 47 Prozent wollen die Weiterbildung forcieren. Die Anwerbung von ausländischen Spezialisten ziehen dagegen nur wenige Betriebe (12%) in Betracht. „Hier machen sich die praxisfernen und völlig überzogenen Regulierungen des Ausländerrechts deutlich bemerkbar“, so der BIHK-Chef. Das derzeit geltende Zuwanderungsrecht biete zu geringe Spielräume, um ausländische Spezialisten nach Deutschland zu holen. Auch wenn die Gehaltsgrenze für ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht in Deutschland inzwischen von 85.500 Euro pro Jahr auf 63.000 Euro gesenkt werden soll, „so ist auch das für kleine und mittlere Unternehmen meist immer noch zu viel“, sagt Dörfler. Auch dürften die bis 2009 geltenden Übergangsregelungen, die den Zuzug von Arbeitnehmern aus den Beitrittsländern begrenzen, nicht verlängert werden. „Ohne einen möglichst schnellen Übergang zur Arbeitnehmerfreizügigkeit verschärft sich der Fachkräftemangel“, ist sich Dörfler sicher.
Die Auswertung der Umfrage finden Sie in der rechten Spalte zum Download.