IHKs fordern leichtere Zuwanderung
Fachkräftemangel in Bayern seit Sommer weiter gestiegen
Seit Sommer 2007 hat sich der Fachkräftemangel in Bayern nochmals verschärft. Das zeigt die aktuelle Umfrage der bayerischen IHKs unter 3.000 Unternehmen. Danach können knapp 31 Prozent der Befragten ihre offenen Stellen nicht besetzen. Im Sommer waren es nur rund 24 Prozent. Insbesondere in der Industrie und bei den Dienstleistern fehlen Fachkräfte. Im Sommer klagte jeweils ein Drittel über dieses Problem. Nun ist der Anteil in der Industrie auf aktuell 38 Prozent, bei den Dienstleistern auf 37 Prozent gestiegen. „Um den Unternehmen möglichst rasch zu helfen, muss eine gesteuerte Zuwanderung von Spezialisten aus dem Ausland erleichtert werden, bevor die fehlenden Fachkräfte zur Konjunkturbremse werden“, forderte Reinhard Dörfler, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK).
Die Umfrageergebnisse lassen laut konservativen Berechnungen des BIHK darauf schließen, dass rund 30.000 Arbeitsplätze in Bayern derzeit davon betroffen sind. Dabei steigt der Bedarf mit der Unternehmensgröße und hat insbesondere in den Großunternehmen mit 1.000 und mehr Mitarbeitern bedrohliche Ausmaße angenommen. In dieser Größenklasse gaben 75 Prozent der Befragten an, keine geeigneten Mitarbeiter zu finden. Im Sommer waren es nur 45 %. Vor allem Ingenieure sind gesucht. „Kleine und mittelständische Unternehmen mit weniger als 200 Mitarbeitern finden hingegen nicht genügend qualifizierte Bewerber mit abgeschlossener Lehre oder Meisterbrief“, so Dörfler.
Um das Problem zu lindern, wollen über 62 Prozent der Unternehmen mit Personalbedarf verstärkt ausbilden. Vor allem im bayerischen Mittelstand setzen 70 Prozent auf diesen Lösungsansatz. „Das könnte schwierig werden, denn schon heute bleiben hunderte von Lehrstellen in Bayern unbesetzt“, befürchtet der BIHK-Chef. Rund die Hälfte der Unternehmen will dem Fachkräftemangel mit verstärkter Weiterbildung begegnen, auf ältere Arbeitnehmer wollen 25 % der Befragten zurückgreifen. Fast ebenso viele Unternehmen versuchen durch Umstrukturierung – wie zum Beispiel Outsourcing – das Problem zu lösen.
„Diese Ergebnisse belegen, dass die Wirtschaft alles daran setzt, um eine weitere Verschärfung der derzeitigen Situation zu verhindern“, sagte Dörfler. Aber die Unternehmen könnten Fehlentwicklungen in der Bildungspolitik und die Auswirkungen des demografischen Wandels nicht alleine auffangen. Das derzeitige Zuwanderungsrecht biete den Unternehmen viel zu wenig Möglichkeiten, ausländische Spezialisten zu beschäftigen. Vor allem das noch immer vorgeschriebene Mindestgehalt von 85.000 Euro pro Jahr für ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht sei für den Großteil der Betriebe nicht bezahlbar. Zudem dürfe die Abschottung des deutschen Arbeitsmarktes gegenüber den osteuropäischen EU-Beitrittsländern keinesfalls über 2009 hinaus andauern. „Die geltenden Regelungen behindern die bayerischen Unternehmen schon jetzt bei ihren Auslandsgeschäften, der nach wie vor wichtigsten Stütze der Konjunktur“, so Dörfler. Das dürfe sich keinesfalls fortsetzen.